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Barrierefreiheit von Website und Onlineshop 2026: was droht und was zu tun ist

Recht und Pflichten

3 Min. Lesezeit Veröffentlicht 31. 8. 2026
Sklenený prstenec nad diskami - ilustrácia k prístupnosti webu

Kurz gefasst. Der European Accessibility Act (Richtlinie 2019/882) gilt seit dem

  1. Juni 2025, die tatsächliche Durchsetzung begann im Juni 2026. Die Bußgeldrahmen

unterscheiden sich je Land, in der Slowakei liegen sie je nach Schwere und Unternehmensgröße zwischen 10 000 und 100 000 EUR. Wer online verkauft oder Bank- und Verkehrsdienste anbietet, ist betroffen.

Warum das Thema erst jetzt hochkommt

Das erste Jahr diente der Umsetzung in nationales Recht, das zweite der Durchsetzung. Bis Juni 2026 ließen sich keine bestätigten Bußgelder nach nationalen EAA-Gesetzen belegen. Die Aufsicht läuft bislang über Beschwerden, Aufforderungen, Anordnungen und Marktaufsicht mit Fristen zur Behebung.

Das ist gute und schlechte Nachricht zugleich. Gut, weil niemand ohne Vorwarnung ein Bußgeld schickt. Schlecht, weil das Szenario absehbar ist: eine Beschwerde kommt, Sie bekommen eine Frist, und innerhalb dieser Frist muss die Website in Ordnung sein. Barrierefreiheit nachzurüsten ist kein Wochenende mit Button-Farben.

Wie das Ende aussieht, zeigte der Juni 2026: Ein Gericht verpflichtete Carrefour, sowohl den Onlineshop als auch die App barrierefrei zu machen, mit sechs Monaten Frist und angedrohten Zwangsgeldern pro Tag.

Wer betroffen ist

  • Onlineshops und E-Commerce, einschließlich Bestellprozess
  • Bank- und Zahlungsdienste, Zahlungsterminals
  • Personenverkehr und Buchungssysteme
  • elektronische Kommunikation, E-Books, audiovisuelle Dienste
  • mobile Apps, die diese Dienste bereitstellen

Die Richtlinie kennt eine Ausnahme für Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen erbringen (grob unter 10 Beschäftigte und unter 2 Mio. EUR Umsatz). Für Produkte gilt sie nicht und sie sollte im Einzelfall geprüft werden.

Was das praktisch heißt

Technischer Maßstab ist EN 301 549, was in der Praxis auf WCAG 2.1 Stufe AA hinausläuft:

Bereich Was geprüft wird Typischer Befund
Kontrast mindestens 4,5:1 für Text hellgrauer Text auf Weiß
Tastatur gesamte Website ohne Maus bedienbar Dialog, aus dem man nicht herauskommt
Formulare jedes Feld beschriftet, Fehler verständlich Platzhalter statt Label
Bilder sinnvoller Alternativtext alt=”bild1.jpg”
Struktur logische Überschriftenfolge fünf H1 auf einer Seite
Fokus sichtbare Fokusmarkierung outline: none im CSS
Video Untertitel und Transkript Firmenvideo ohne Untertitel
Zeitlimits nichts Unaufhaltsames Countdown im Warenkorb ohne Verlängerung

Am teuersten sind Buchungs- und Bestellprozesse, weil dort eigener Code, Zahlungsanbieter und Versanddienstleister zusammentreffen. Am günstigsten ist, was im Entwurf gelöst wird.

Sinnvolle Reihenfolge

  1. Audit gegen WCAG 2.1 AA. Automatische Werkzeuge finden etwa ein Drittel, der Rest erfordert manuelle Prüfung mit Tastatur und Screenreader.
  2. Nach Umsatz priorisieren. Zuerst der Weg zur Bestellung und zum Kontakt.
  3. Beheben. Teils CSS und Templates, teils Inhalte, teils Logik.
  4. Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen und einen internen Prozess festlegen.
  5. Bei jeder Änderung prüfen. Barrierefreiheit ist ein Zustand, kein Projekt.

Beim Neubau ist es deutlich günstiger. In unserer Webentwicklung und bei der Onlineshop-Entwicklung wird Barrierefreiheit im Entwurf berücksichtigt statt nachträglich geflickt.

Der Nebeneffekt, über den selten gesprochen wird

Eine barrierefreie Website ist auch für Suchmaschinen und Sprachmodelle besser lesbar. Sinnvolle Überschriften, Bildbeschreibungen, Textalternativen und saubere Struktur sind genau das, woraus KI-Suche Antworten baut. Die Investition zahlt sich doppelt aus, und ein drittes Mal in Conversions: verständliche Formulare helfen allen.

Häufige Fragen

Reicht ein Barrierefreiheits-Widget? Nein. Overlays behandeln die Kosmetik, nicht die Ursache, und waren selbst schon Gegenstand von Verfahren. Das Problem liegt im Code und im Inhalt.

Wie schnell muss das fertig sein? Die Pflicht gilt bereits. Realer Druck entsteht mit einer Beschwerde und einer kurzen Frist.

Gilt das auch für die App? Ja, wenn sie einen erfassten Dienst bereitstellt. Der Fall Carrefour umfasste die App.

Was kostet das? Hängt vom Zustand der Website ab. Schreiben Sie uns, wir schauen uns den konkreten Fall an.


Dieser Text fasst öffentlich zugängliche Quellen zum 28. August 2026 zusammen und ist keine Rechtsberatung.

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